Das Problem mit Website-Bewertungs-Portalen

Jeder Webseitenbetreiber, der nicht ganz mit den Besuchszahlen seiner Internetseite zufrieden ist, begibt sich irgendwann auf die Suche nach Antworten. Antworten auf die Frage, ob die aktuelle Internetseite überhaupt dem Stand der Dinge entspricht, und welches Optimierungspotenzial besteht.

Eine professionelle Suchmaschinenoptimierung ist zeit- und kostenintensiv. Verlockender sind da die Angebote diverser AnalyseInternetseiten, die technische und inhaltliche Parameter der Seite analysieren und darauf basierend eine Bewertung abgeben.

Wehr mehr will, muss zahlen

Internetagenturen stehen diesen Tools kritisch gegenüber. medialeitwerk erreicht ab und an auch Anrufe von Seitenbetreibern, die über die auf der Analyse-Seite abgegebene schwache Bewertung der Seite verwundert sind. Man sieht sich gezwungen, sich zu rechtfertigen, und wir erklären dem Kunden, was das Problem mit den Webseite-Bewertungs-Portalen ist:

Website-Analyse-Tools verfolgen marktwirtschaftliche Interessen. Anders gesagt: Derartige Angebote suggerieren mit dem Analysergebnis, dass die geprüfte Seite eklatante Schwachstellen hat und bei Google und anderen Suchmaschinen nicht optimal gefunden werden kann. Oft fordern die Anbieter dieser Angebote für weitere Analysedetails oder für Lösungsbeschreibungen einen kostenpflichtigen Premium-Account.

Fehler und Schwachstellen der Analyse-Tools

Der Anbieter seitwert.de beispielsweise bietet nach der Überprüfung einer Internetseite eine rund 300 Euro teure „Seitwert-Analyze“ mit „konkreten Handlungsempfehlungen“ an, um die Position bei Google und anderen Suchmaschinen zu steigern. Darüber hinaus bietet der Anbieter einen kostenpflichtigen Zugang an, mit dem sich die Internetseite häufiger beobachten lässt (in der Gratisversion darf eine Seite nur einmal am Tag geprüft werden).

Wir begutachten nun einige Details aus der Gratis-Bewertung und erklären, warum diese Informationen keinen Wert besitzen (und demzufolge den Webseiten-Betreiber eher verunsichern, als ihm zu helfen). Exemplarisch nutzen wir Analyse-Meldungen von seitwert.de, jedoch gelten die folgenden Beobachtungen auch für andere Bewertungs-Tools.

  1. Es wird ermittelt, wie „bekannt“ eine Internetseite in sozialen Medien ist. Dies lässt sich oberflächlich mit Schnittstellen von Anbietern sozialer Netzwerke realisieren, jedoch ist diese Analyse mit Einschränkungen verbunden. Es werden beispielsweise nur die Likes der aktuell analysierten Seite gezählt, verbundene Unterseiten dagegen nicht. Darüber hinaus ist eine Popularität in sozialen Netzwerken nicht gleichbedeutend mit einer besseren Positionierung in Suchmaschinen.
  2. Mit Hilfe des W3C-Validators wird die Anzahl an HTML-Syntaxfehlern ermittelt. Ob eine Website HTML-Fehler enthält, ist jedoch für die Platzierung innerhalb der Suchmaschinen unerheblich. Google selbst bestätigt mehrfach, dass HTML-Fehler das Ranking nicht beeinflussen.
  3. Der Alexa-Rank wird zur Analyse als Bewertungskriterium genutzt, jedoch ist dieser für das Google-Ranking ebenfalls unerheblich.
  4. Eine häufig verwendete Bewertung ist die Ermittlung der Backlinks. In der Tat sind Backlinks im Rahmen der Suchmaschinenoptimierung überaus relevant, jedoch bietet Google (und auch andere beliebte Suchmaschinen) keine Schnittstelle an, um die Backlinks zu ermitteln. Anbieter von Analyse-Seiten nutzen dann den Such-Operator link, um die Anzahl an Backlinks ausfindig zu machen. Dieser Operator dient jedoch dazu, nur eine Stichprobe an Backlinks ausgeben zu lassen. Ergo werden nicht alle Backlinks durch diese Analyse ermittelt.
  5. Ebenfalls analysiert wird die Gewichtung bei diversen Suchmaschinen. Dies ist überflüssig, da hier Ursache und Wirkung verdreht wird: Die Gewichtung bei Suchmaschinen verbessert sich erst, wenn alle Faktoren zur Optimierung der Seite berücksichtigt wurden. Demzufolge kann und darf die aktuelle Gewichtung bei Suchmaschinen kein Bewertungskriterium sein, sondern sollte dagegen eher dem Analyseergebnis entsprechen.

Wichtige Aspekte werden überhaupt nicht berücksichtigt

Leider werden nicht nur irrelevante Details analysiert. Andere wichtige Faktoren bleiben vollkommen unberücksichtigt. Viele Faktoren lassen sich mit programmierten Automatismen gar nicht bewerten (etwa die Benutzerfreundlichkeit), ein entsprechender Hinweis dazu fehlt aber. Wir listen weitere wichtige Punkte auf, die zur Ermittlung vom möglichen Ranking relevant sind:

  1. Die Ladegeschwindigkeit der Website wird nicht berücksichtigt, jedoch ist dies ein nicht unwesentlicher Faktor bei der Bewertung durch Google. Genau prüfen lässt sich diese jedoch nicht, da diese auch vom Standort des Nutzers abhängt. Was man prüfen könnte, wären die Anzahl an Ressourcen, die die angegebene Internetseite lädt – daraus lässt sich in etwa die Ladegeschwindigkeit bewerten.
  2. Es wird nicht geprüft, ob die Seite für mobile Endgeräte optimiert ist. Dieser Faktor ist einer der Wichtigsten und wird bei diesen Analysetool überhaupt nicht untersucht.
  3. Eine fehlende SSL-Verschlüsselung wird hier nicht erwähnt. Google kündigte an, Internetseiten abzuwerten, die keine SSL-Verschlüsselung aufweisen
  4. Dem Content der Seite wird keine Beachtung geschenkt (oder nur oberflächlich). Gute Suchmaschinen sind in der Lage, die Qualität eines Textes zu bewerten, außerdem lautet die Grundregel jeder Suchmaschinen-Optimierungs-Agentur Content is King.
  5. Analyse-Portale erfordern nur die Eingabe einer Internet-Adresse, bieten jedoch nicht die Angabe eines Keywords an, unter dem man die eigene Seite bei Google finden möchte. Ohne Keyword fehlt generell der Kontext zur fundierten Bewertung einer Internetseite.

Wir fassen zusammen: Analyse-Portale suggerieren, Faktoren zu begutachten, die für die Platzierung innerhalb der Suchmaschinenoptimierung relevant sind. Viele dieser untersuchten Faktoren sind jedoch nur unwesentliche Details. Wichtige Elemente werden dagegen gar nicht untersucht.

Fazit

Wir raten daher ab, Analyse-Tools wie seitwert.de & Co. zu viel Vertrauen zu schenken. Sie dienen allenfalls als Inspirationsquelle, um Mikrooptimierungen auf der eigenen Seite durchzuführen.

 

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