Facebooks „Instant Articles“ und Amp von Google unter der Lupe

Das Team von medialeitwerk hat die Vor- und Nachteile der „Instant Articles“ sowie Google AMP genauer untersucht. Warum gibt es diese Technologien überhaupt?

Die Anzahl von Nachrichtenkanälen im Netz wächst fast täglich: Wo Anfangs nur der Newsletter war, gibt es heute Informationsflüsse von sozialen Netzwerken und mobilen Apps.

In der heutigen Zeit muss der Benutzer nicht mehr die Nachrichtenquelle direkt ansteuern. Er wird stattdessen über das soziale Netzwerk seiner Wahl darüber informiert. Meist erfolgt dies über mobile Endgeräte, also beispielsweise dem Smartphone. Portale wie Buzzfeed verzeichnen mittlerweile 80 Prozent des Besuchersstromes durch verlinkte Inhalte externe Quellen.

Sofort verfügbare Inhalte sollen für eine höhere Reichweite sorgen

Diesen Trend haben auch die Internet-Riesen Google und Facebook erkannt und technische Konzepte entwickelt, welches die Besucherzahl und Reichweite digitaler Inhalte auf mobilen Endgeräten steigern soll. Beide verfolgen dabei das Konzept, die Inhalte schneller zu laden.

Bei Facebook heisst diese Technik „Instant Articles“.  Der Besucher eines verlinkten Artikels innerhalb des Netzwerks profitiert davon, dass der Inhalt in dem Bruchteil einer Sekunde auf dem Bildschirm erscheint. Dies ist möglich, weil die Inhalte durch Facebook mit bestimmten technischen Hilfsmitteln bereitgestellt wird. Zudem wird der Text und Fotos komprimiert oder völlig weggelassen, um die Datenmenge möglichst gering zu halten.

Publisher können die Inhalte selbst vermarkten oder Facebook damit beauftragen. In diesem Fall verlangt Facebook 30 Prozent der erwirtschafteten Umsätze.

Facebook verspricht u.a. eine 70-prozentige Minderung der Abbruchrate (Quelle: Facebook)
Facebook verspricht u.a. eine 70-prozentige Minderung der Abbruchrate (Quelle: Facebook)

Google verfolgt einen ähnlichen Ansatz, der Accelerated Mobile Pages  (kurz: AMP) genannt wird. Der technische Ansatz ist im Vergleich zu den Instant Articles ähnlich, jedoch bietet Google (noch) kein hauseigenes Vermarktungsmodell an. Dadurch können die Publisher die Inhalte zu 100 Prozent selbst vermarkten. Ein weiterer Unterschied ist die Codebasis von AMP. Diese ist frei zugänglich als Open-Source-Konzept verfügbar.

Erfahrungen von medialeitwerk

Bietet der Einsatz von Instant Articles oder AMP also einen Vorteil für Webseitenbetreiber? Auch das Team von medialeitwerk denkt über den Einsatz dieser Technik nach. Noch liegen jedoch zu viele Nachteile auf der Hand.

Zunächst ist der Aufwand zu berücksichtigen, welcher für die Bereitstellung der Inhalte notwendig ist. Ein Entwickler muss die Programmierung zur Inhaltsausgabe auf der Website speziell anpassen, damit Facebook und Google in der Lage sind, den Beitrag in „sein“ Format umzustrukturieren. Dies erfordert die Integration einer Programmier-Bibliothek aus dem Hause Facebook bzw. Google (eine sogenannte API).

Ein weiterer Kritikpunkt sind die nur spärlichen Möglichkeiten zur statistischen Auswertung der Zugriffe auf die Inhalte. Dieses Problem beschreibt auch ein „Jetzt.de“-Verantwortlicher gegenüber der Zeitung „Internet World Business“: Wir sind eher weniger zufrieden. […] Leider sind auch die Traffic- und Analyse-Informationen in Facebook Insights […] nicht wirklich aussagekräftig“.

Die Online-Redaktion der Zeit  gibt an, dass seit Einführung von „keine signifikante Reichweitensteigerung durch Facebook Instant Articles“ zu verzeichnen sei.

Es bleibt abzuwarten, ob der Effekt durch die performantere Darstellung von Artikeln tatsächlich die Reichweite steigert. Die ersten Reaktionen deutscher Verlagshäuser fallen nur mäßig aus. Auch die Online-Redaktion von medialeitwerk wartet ab.

 

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